Buchtipp des Monats der Pfarrbücherei

Nicola Scott
Zeit der Schwalben

Nicola Scott hat mit „Zeit der Schwalben“ einen sehr bewegenden Familien- und Schicksalsroman geschrieben, den man kaum noch aus der Hand legen mag bis endlich alle Mosaiksteine zu einem stimmigen Ganzen zusammengefügt sind.

Zur Spannung trägt vor allem bei, dass die Geschichte in 2 Zeitebenen spielt, wobei die Gegenwart den größeren Anteil einnimmt. Erzählt wird von 3 Frauen und ihren Beziehungen zu ihren Müttern bzw. Töchtern und der Suche nach eigener Identität.

Der Roman beginnt mit einem Rückblick: Sussex, England 1958:

Die 16jährige Elisabeth ist begeistert von den jungen Leuten, die sie auf dem Anwesen der Freunde ihrer Eltern kennenlernt. Sie erlebt unbeschwerte Tage und verliebt sich...

London, 40 Jahre später:

Nach dem Unfalltod ihrer Mutter erhält Adele einen mysteriösen Anruf. Ein Mann spricht von „neuen Spuren“ und nennt immer wieder ein Datum. Und dann steht plötzlich eine Fremde vor der Tür und behauptet, Teil der Familie zu sein.

(Klappentext)

Ein Bedürfnis der Autorin ist es – sie stellt es im Nachwort klar - die schreckliche Vergangenheit zu thematisieren. Denn bis in die 80er Jahre hinein gab es in England, und nicht nur dort Einrichtungen, in denen den jungen Mädchen und Frauen Schuldgefühle eingeimpft wurden, in denen die Schwangeren gedemütigt und versklavt wurden ob ihrer „Schande“ ein Baby zu bekommen. Oft wurden sie gezwungen das Kind zur Adoption frei zu geben.

Diese dunklen Seiten der 50er Jahre, die Doppelmoral und die gesellschaftliche Ausgrenzung lässt sich gut nachvollziehen. Als Leser nimmt man unwillkürlich Anteil an den Geschichten der drei Hauptcharaktere.

Zeit der Schwalben ist der erste Roman der Autorin, die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, zeitweise für Verlage in Großbritannien und USA gearbeitet hat und jetzt mit ihrer Familie in Frankfurt am Main lebt.