Buchtipp des Monats der Pfarrbücherei

Regina Scheer
Machandel

R. Scheer, 1950 in Berlin geboren arbeitet seit der Wende freiberuflich als Publizistin, Historikerin und Herausgeberin.

Machandel ist ein fiktives ostdeutsches Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, und Schauplatz der Geschichte von 1930  bis in die Gegenwart.

Es handelt sich um eine Familiengeschichte vor dem Hintergrund der letzten Jahre der DDR, authentisch und sehr einfühlsam erzählt, immer verwoben mit der Sage um den Machandel, ist gleich Wacholder.

Im Mittelpunkt steht Clara, eine junge Berlinerin die 1985 mit ihrem Bruder, kurz vor dessen Ausreise aus der DDR nach Machandel kommt. Zusammen wollen sie den Ort ihrer Kindheit ein letztes Mal besuchen. Dabei entdeckt Clara ein altes Sommerhaus, das zum Rückzugsort für sie und ihre Familie aus den turbulenten politischen Ereignissen Ostberlins wird. Hier arbeitet sie an ihrer Dissertation über dem Märchen und dessen Deutungen vom Machandelboom.

Die Geschichte wird wechselnd aus 5 verschiedenen Ebenen erzählt, wodurch nicht etwa Verwirrung gestiftet, sondern deutlich wird, dass dasselbe Zeitgeschehen von verschiedenen Personen unterschiedlich erlebt und bewertet werden kann. (Es empfiehlt sich jedoch, das Personenregister am Ende des Buches vorab zu lesen, um die Figuren besser auseinanderhalten zu können.) Die beschriebenen Personen mit ihrem tragischen Schicksal wachsen dem Leser ans Herz, besonders bewegen die starken Frauengestalten Emma und Natalija durch ihre Menschenliebe und Hilfsbereitschaft.

Das Buch erzählt von Erstarrung und Enttäuschung, von Lebenslügen und Sich-Einrichten, von hoffnungsvollem Aufbruch Ende der 80er Jahre und von zerplatzten Lebensträumen. Der Roman liefert eine Fülle an Informationen, Emotionen und Nachdenkenswertem.